Arzt · Psychologe · Psychotherapeut · Wissenschaftler
Prof. Dr. Michael Stark verbindet seit mehreren Jahrzehnten ärztliche, psychologische, psychotherapeutische und wissenschaftliche Erfahrung. Ein besonderer Schwerpunkt seiner heutigen Arbeit liegt auf ME/CFS und anderen komplexen Erschöpfungs- und Regulationsstörungen.
Als Facharzt für Psychiatrie, psychosomatische Medizin und Psychotherapie sowie als Psychologischer Psychotherapeut verbindet er medizinische und psychologische Perspektiven. Bereits die frühere Institutsseite beschreibt diesen interdisziplinären Ansatz ausdrücklich: Bei Diagnostik und Therapie sollen psychologische Aspekte nicht isoliert betrachtet, sondern ihre Wechselbeziehungen zu körperlichen Ursachen und Auswirkungen berücksichtigt werden.
Qualifikation
Prof. Dr. Michael Stark
Dr. med. · Dr. h.c. · Dipl.-Psychologe
Professor für Sozialpsychiatrie
Facharzt für Psychiatrie
Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie
Psychologischer Psychotherapeut

Wissenschaftlicher und beruflicher Werdegang
Michael Stark studierte zunächst Psychologie an der RU Bochum und schloss das Studium 1977 als Diplom-Psychologe ab. Danach schloss er ein Medizinstudium an der WU Münster ab und promovierte 1984. Bereits früh verband er klinische Tätigkeit mit wissenschaftlicher Forschung und der Frage, wie biologische, psychologische und soziale Faktoren bei komplexen Erkrankungen zusammenwirken.
Ein Forschungsaufenthalt am Clinical Research Center des Camarillo State Hospital in Zusammenarbeit mit der University of California, Los Angeles (UCLA) führte ihn in die internationale psychiatrische und sozialpsychiatrische Forschung. 1985 wechselte er an das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), wo er unter anderem eine psychiatrische Tagesklinik leitete und wissenschaftlich in der Sozialpsychiatrie tätig war.
Es folgten langjährige klinische, wissenschaftliche und leitende Tätigkeiten, die Habilitation am UKE Hamburg sowie die Berufung zur Professur für Sozialpsychiatrie. Dabei entwickelte sich zunehmend ein fachübergreifender Ansatz, der Erkrankungen nicht isoliert innerhalb einzelner medizinischer Fachgebiete betrachtet, sondern das Zusammenwirken körperlicher, neurobiologischer, psychologischer und sozialer Regulationsprozesse berücksichtigt.
Vom Stressmodell zur ME/CFS- und Regulationsforschung
Ein roter Faden meiner wissenschaftlichen und therapeutischen Arbeit ist seit Beginn die Frage, wie Menschen die Regulationsmechanismen ihrer Erkrankung besser verstehen und dieses Wissen für den eigenen Umgang mit der Erkrankung nutzen können.
Bereits meine frühen wissenschaftlichen Arbeiten und meine Habilitation beschäftigten sich mit der Bedeutung von Stress für die Rückfallgefährdung bei psychotischen Erkrankungen. Daraus ergab sich eine für meine weitere Arbeit prägende therapeutische Konsequenz: Patientinnen und Patienten sollten nicht nur behandelt werden. Sie sollten lernen, eigene Belastungen und Frühwarnzeichen wahrzunehmen, Zusammenhänge zu verstehen und ein nachvollziehbares Modell ihrer Erkrankung zu entwickeln.
Dieser Gedanke prägte auch zahlreiche meiner Publikationen und Buchveröffentlichungen der 1980er- und 1990er-Jahre. Im Mittelpunkt standen zunehmend Psychoedukation, Selbstwahrnehmung und die Förderung von Selbstwirksamkeit – nicht nur bei den Betroffenen selbst, sondern auch bei ihren Angehörigen.
Ich gehörte zu den Initiatoren und Gründern der Deutschen Gesellschaft für Psychoedukation. Ein zentrales Prinzip war, medizinisches und therapeutisches Wissen nicht allein den Fachleuten vorzubehalten, sondern es so zu vermitteln, dass Betroffene ihre Erkrankung verstehen und zu kompetenten Partnern im Behandlungsprozess werden können.
Diesem Gedanken folgte auch die von mir initiierte und organisierte Kongressreihe „Forum Rehabilitation“. In den 1990er- und 2000er-Jahren fanden neun Kongresse unter diesem Titel statt, bei denen Fachleute, Betroffene und Angehörige bewusst zusammengeführt wurden. Darüber hinaus organisierte ich den Weltkongress „Psychosocial Rehabilitation“ sowie einen Kongress der Deutschen Gesellschaft für Psychoedukation. Der Austausch unterschiedlicher Perspektiven war dabei Teil des Konzepts: wissenschaftliches und professionelles Wissen auf der einen Seite, Erfahrungswissen der Betroffenen und Familien auf der anderen.
Internationale Zusammenarbeit und wissenschaftlicher Austausch
Ein weiterer Schwerpunkt meiner beruflichen Arbeit war frühzeitig die internationale Zusammenarbeit. Besonders intensive Verbindungen entstanden mit Kolleginnen und Kollegen in Polen und der Ukraine. 1989 war ich Mitbegründer der Deutsch-Polnischen Gesellschaft für seelische Gesundheit. Aus dieser Zusammenarbeit entwickelten sich langfristige fachliche Kontakte und Partnerschaften zwischen psychiatrischen Einrichtungen in Deutschland und Polen.
Auch die Kongresse des „Forum Rehabilitation“ waren bewusst international ausgerichtet. Regelmäßig nahmen Kolleginnen und Kollegen aus Polen und der Ukraine teil. Der fachliche Austausch über nationale Grenzen hinweg und das gemeinsame Lernen voneinander waren für mich ebenso wichtig wie die Verbindung von Wissenschaft, klinischer Praxis und den Erfahrungen der Betroffenen.
Für dieses Engagement wurde ich zum Ehrenmitglied der polnischen psychiatrischen Fachgesellschaft ernannt. 1999 verlieh mir die Medizinische Fakultät der Universität Lemberg/Lwiw in der Ukraine die Ehrendoktorwürde (Dr. h.c.). Darüber hinaus war ich über viele Jahre in internationalen psychiatrischen und psychosozialen Fachgesellschaften und wissenschaftlichen Kongressgremien tätig.
Viele Jahre später begegnete mir mit ME/CFS eine völlig andere Erkrankung, bei der dieses Grundprinzip erneut von zentraler Bedeutung ist. ME/CFS ist keine psychische Erkrankung. Gerade wegen der komplexen Wechselwirkungen zwischen dem autonomen Nervensystem, der Immunregulation, dem Energiestoffwechsel, den neuroendokrinen und neuromuskulären Prozessen müssen Betroffene jedoch verstehen können, wie ihr Körper auf Belastung reagiert.
Besonders deutlich wird dies bei der Post-Exertional Malaise (PEM): Belastungsgrenzen müssen wahrgenommen, individuelle Reaktionsmuster erkannt und Aktivitäten so gesteuert werden, dass krankheitsbedingte Verschlechterungen möglichst vermieden werden.
So setzt sich ein Grundgedanke meiner Arbeit über mehrere Jahrzehnte und unterschiedliche medizinische Arbeitsfelder hinweg fort:
Zusammenhänge verstehen. Den eigenen Körper und seine Reaktionen wahrnehmen. Wissen zugänglich machen. Selbstwirksamkeit fördern. Betroffene und Fachleute auf Augenhöhe zusammenbringen.
Aus diesem Ansatz entwickelten sich meine heutige Arbeit an ME/CFS, meine Forschung zu komplexen Regulationsmechanismen und die diagnostischen, therapeutischen und Selbsthilfekonzepte des Prof. Stark Instituts.
Mein heutiges Verständnis von Therapie
Für mich bedeutet moderne Therapie nicht, dass auf der einen Seite der wissende Arzt oder Therapeut und auf der anderen der zu behandelnde Patient stehen. Gerade bei komplexen chronischen Erkrankungen entsteht ein wesentlicher Teil des notwendigen Wissens erst aus der Verbindung von medizinischer Fachkenntnis und Erfahrungswissen der Betroffenen.
Patientinnen und Patienten erleben ihren Körper jeden Tag. Sie beobachten Veränderungen, Belastungsgrenzen, Reaktionen auf Medikamente und therapeutische Maßnahmen häufig deutlich differenzierter, als es in einer einzelnen Untersuchung oder Sprechstunde möglich ist. Dieses Wissen muss ernst genommen und systematisch in Diagnostik und Therapie einbezogen werden.
Meine Aufgabe als Arzt und Therapeut sehe ich deshalb darin, Befunde und wissenschaftliche Erkenntnisse verständlich zu machen, Zusammenhänge aufzuzeigen und gemeinsam mit den Betroffenen ein individuelles Modell ihrer Erkrankung zu entwickeln.
Bei ME/CFS ist dieses Vorgehen von besonderer Bedeutung. Die Erkrankung verläuft individuell; die Belastbarkeit kann erheblich schwanken, und therapeutische Maßnahmen können bei verschiedenen Menschen sehr unterschiedlich wirken. Eine schematische Behandlung wird dieser Komplexität nicht gerecht.
Therapie auf Augenhöhe bedeutet für mich deshalb: zuhören, erklären, gemeinsam Zusammenhänge erkennen und daraus individuell passende therapeutische Entscheidungen entwickeln.
Von diesem Verständnis zur Prof. Stark Methode
Aus dieser langjährigen Arbeitsweise entwickelt sich die Prof. Stark Methode als integrativer Ansatz weiter. Sie verbindet unterschiedliche diagnostische Befunde, individuelle Regulationsmuster, wissenschaftliche Erkenntnisse und das Erfahrungswissen der Betroffenen zu einem Gesamtbild.
Ziel ist nicht die Anwendung eines einzelnen Verfahrens, sondern die Frage:
Welche Regulationssysteme sind bei diesem Menschen gestört – wie beeinflussen sie sich gegenseitig und an welchen Stellen können wir sinnvoll therapeutisch eingreifen?
Forschung, Versorgung und Wissen verbinden
Meine Arbeit verbindet klinische Erfahrung, wissenschaftliche Forschung und die unmittelbaren Erfahrungen der Betroffenen. Viele Fragestellungen entstehen aus Beobachtungen in der täglichen Versorgung und führen von dort zu neuen diagnostischen und therapeutischen Konzepten.
Gerade bei komplexen Erkrankungen wie ME/CFS halte ich es für entscheidend, bestehende Grenzen zwischen medizinischen Fachgebieten zu überwinden und unterschiedliche Befunde als Bestandteile eines zusammenhängenden Regulationssystems zu betrachten.
Das Prof. Stark Institut soll deshalb nicht nur behandeln und diagnostizieren, sondern auch Wissen entwickeln, Wissen vermitteln und neue Ansätze wissenschaftlich überprüfen.